Fallstudie

Vermeidung von CO2 Emissionen im Second-Hand Handel

Das Gewandhaus, Belziger Straße 36, 10823 Berlin, bietet seit 2004 aktuelle, hochwertige Damen- und Herrenmode, Schuhe und Accessoires an. Die Inhaberin des Gewandhauses legt bei der Auswahl der Waren, die sie anbietet, großen Wert auf qualitativ hochwertige Materialien und Verarbeitung und bietet daher keine Produkte bekannter Fast-Fashion Ketten an.

In einem Vorprojekt wurde anhand der Verkäufe des Gewandhauses im Jahr 2019 ermittelt, dass das Gewandhaus in diesem Zeitraum Emissionen von ca. 30 tCO2e vermieden hat. Dies wurde anhand von 15 Produktgruppen und den folgenden Annahmen ermittelt:

  • Im Lebenszyklus eines Kleidungsstückes entstehen 80% der Treibhausgas-emissionen bei der Rohstoffgewinnung, Herstellung und dem Transport zum Kunden („cradle-to-gate“).
  • Diese Phase wird vermieden, wenn der Kauf eines neuen Kleidungsstückes durch den Kauf eines Second-Hand Kleidungsstücks ersetzt wird.
  • Da Second-HandKleidung deutlich günstiger als Neuware ist, und Kund*Innen von Secondhand Geschäften nicht alle ausschließlich dort kaufen, gehen wir von einer Ersatzrate („displacement ratio“) von 60% aus1.

Aufgrund dieser positiven Ergebnisse entschied sich das Gewandhaus, die Elemente Nachhaltigkeit und Klimaschutz in seinem Angebot sichtbarer zu machen und hierfür displace.this zu nutzen.

displace.this bietet Geschäften verschiedene impact metrics an, mit denen sie z.B. auf ihrer Webseite tagesaktuell die vermiedenen Emissionen darstellen können. Kund*Innen bekommen beim Kauf Informationen über entstandene und vermiedene Emissionen. Darüber hinaus können Kund*Innen bei displace.this Informationen über ihre akkumulierten und vermiedenen Emissionen abrufen.

Hierfür werden eingegebene Daten berechnet und als Reports ausgegeben. Die Herausforderung besteht im Einzelhandelsbereich darin, dass es keinen einheitlichen Übergabepunkt für die Eingangsdaten gibt. Ein Kassensystem mit Stammdaten ist nicht durchgängig vorhanden. Die Einführung von displace.this wird dadurch auch zum Digitalisierungprojekt.

Im Rahmen des Onboardings wurde die manuell geführte Rabattkartenkartei digitalisiert. Das Rabattsystem wurde in einer Eingabemaske abgebildet, wodurch nun das Heraussuchen der jeweiligen Rabattkarte entfällt und diverse Dopplungen aufgelöst werden konnten. Die Arbeit wurde in dieser Hinsicht also vereinfacht.

Darüber hinaus wurde für das Gewandhaus eine Treibhausgasbilanz erstellt. Damit kann das Gewandhaus nun seinen eigenen CO2 Fussabdruck reduzieren, uns damit den Anteil vermiedener Emissionen weiter erhöhen – und sich durch Kompensation der verbliebenen Emissionen als klkimaneutrales Unternehmen präsentieren.

Der Übergabepunkt für die Eingangsdaten wird bei jedem Partnergeschäft individuell angepasst. Zusätzliche Aufwände in den Geschäftsabläufen werden vermieden (eventuell können bei dieser Gelegenheit Abläufe auch vereinfacht werden). Technisches Vorwissen seitens der Inhaber*Innen ist nicht nötig, aber eine Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, muss natürlich vorhanden sein.

Der bestehende Katalog von Produktgruppen wurde in Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus verfeinert, insgesamt wurden 45 unterschiedliche Haupt- und Unterkategorien erstellt. Aus diesen wird im Verkaufsprozess über die Eingabemaske die passende Kategorie ausgewählt. Die damit verbundenen und – im Gegensatz zu Neuware – vermiedenen Emissionen werden ausgewiesen und in der Datenbank gespeichert.

Hiervon verspricht sich das Gewandhaus einen besseren Austausch mit bestehenden Kunden zum Thema Nachhaltigkeit, und die Gewinnung von Neukunden, die diesen Service als Alleinstellungsmerkmal schätzen.

Nach der Wiedereröffnung im März 2021 geht displace.this in den Probebetrieb.

1) Farfetch Fashion Footprint Tool & 2nd-Hand Fashion Report, 2020