Was wir tun

Der Kontext

Was können wir mit unserem Konsum für einen Unterschied machen? Womit verursachen wir die meisten Treibhausgase?

Und was können wir überhaupt in unserem Alltag vermeiden?

Unser Ansatz

Bei der Herstellung unserer Produkte entstehen Treibhausgase. Wenn wir etwas kaufen, landen sie auf unserem „Emissionskonto“.

Was unterscheidet nachhaltige von nicht-nachhaltigen Produkten? Hier erklären wir unseren Berechnungsansatz.


TREIBHAUSGASE UND KONSUM – DER KONTEXT

Wie groß ist unser Treibhausgas-Fußabdruck, und wie reduzieren wir ihn?

Nur wenn wir wissen, was die „großen Brocken“ in unserem Treibhausgasbudget sind, können wir informierte Entscheidungen treffen und an der richtigen Stelle ansetzen.

Jede Person – Mann, Frau und Kind – verursacht statistisch gesehen, je nach Quelle zwischen 8 und 11 tCO2e pro Jahr1.

Öffentliche Infrastrukturprojekte sind in der Regel politische Entscheidungen, die wir nur beeinflussen können, indem wir die richtigen Leute wählen und den Druck auf sie aufrechterhalten.

Wärme (Heizung und Warmwasser) ist – zumindest an den meisten Orten in Deutschland – ein Monopol. An jedem Ort gibt es nur einen Wärmelieferanten – das Unternehmen, dem das lokale Heizwerk gehört. Um die Emissionen von Wärme zu reduzieren, können wir aber unsere Häuser besser isolieren und weniger Wärme und warmes Wasser verwenden.

Die Kategorien „Infrastruktur“ und „Wärme“ machen etwa 30% unseres Treibhausgas-Fußabdrucks aus. Unsere Einflußmöglichkeiten auf diesen Anteil sind, wie gesagt, begrenzt. Auf die restlichen 70% haben wir dagegen sehr große Einflußmöglichkeiten.

Was sind die „größten Brocken“ in unserer Bilanz?

Spoiler: Die größten Emissionsquellen von Privathaushalten, und die Möglichkeiten, sie zu begrenzen, sind seit langem bekannt und keine große Überrsachung. Hier noch einmal in aller Kürze:

1 Energie: Wechsle Deinen Energieversorger. Sofort. Nutze erneuerbare Energien.

2 Fliegen: Lass es sein. Kompensiere das, was Du nicht vermeiden kannst.

3 Ernährung: Hör auf, Fleisch zu essen. Etwa 40% aller Treibhausgase, die Du durch Deine Ernähung verursachst, entstehen durch Fleisch, und noch einmal 25% durch andere tierische Produkte 2.

4 Private Mobilität: Werde Dein Auto los (und nein, kaufe stattdessen kein elektrisches).

Die letzten beiden Maßnahmen verbessern wahrscheinlich auch Deine Gesundheit.

Wenn Du dies alles bereits getan hast, ist Dein ökologischer Fußabdruck – abhängig von Deinen anderen Gewohnheiten – um bis zu 40% kleiner als der Durchschnitt. Das reicht aber noch nicht aus. Bis 2030 müssen wir unseren CO2-Fußabdruck halbieren, und bis 2050 muss er bei 1 Tonne CO2e liegen. Es gibt also noch viel zu tun.

Für den Reduktion des ökologischen Fußabdrucks Deines Konsums gibt es keine Patentrezepte, weil jede*r von uns anders konsumiert. Ganz allgemein gilt aber:

Reduce – Repair – Recycle

Je länger ein Produkt im Einsatz ist, desto später muss ein neues Produkt erzeugt werden. Verhalten, das Du heute änderst, hat Rückwirkungen auf die Qualität der Produkte, die morgen produziert werden – darum ist die Art, wie Du konsumierst, so wichtig. Der kleine Block, in den die Schrift nicht passt, ist übrigens „Bildung“ mit 1,3% Anteil am Gesamtbudget.

1) z.B. Statista: 7,9 t (für 2019); Umweltbundesamt: 10,4 (für 2018); EU-Kommission: 9,2 (2018)
2) FAO: GHG emissions by livestock (2020) und WWF: Klimawandel auf dem Teller (2012)


GIBT ES „RICHTIGEN“ KONSUM? UNSER BERECHNUNGSANSATZ

Wo bekommen wir unsere Zahlen her?

Es wird viel über den CO2-Fußabdruck von Produkten und Materialien geforscht. Die Ergebnisse dieser Forschung fließen in professionelle Lebenszyklusdatenbanken wie ecoinvent ein. Diese Datenbanken sind lizenzierbar, aber die Forschungsergebnisse sind öffentlich verfügbar. Bisher haben wir nur mit öffentlich verfügbarem Material gearbeitet, um unsere Arbeit so plausibel und transparent wie möglich zu gestalten und Dir die Möglichkeit zu geben, unsere Arbeit zu überprüfen und vielleicht selbst weiterzulesen.

Die Emissionen, die durch ein Produkt oder ein Material verursacht werden (in ihm „verkörpert“ sind), können in Abhängigkeit von einer großen Anzahl von Variablen stark variieren. Am einfachen Beispiel eines T-Shirts aus Baumwolle wird das deutlich:

  • Die Menge an Wasser und Energie, die für den Anbau von Baumwolle erforderlich ist, hängt von der verwendeten Sorte und der Region der Welt ab, in der sie angebaut wird.
  • Die Energie, die zum Spinnen und Weben erforderlich ist, kann aus fossilen oder erneuerbaren Quellen stammen.
  • Die Auswirkungen auf die Umwelt können je nach den verwendeten Färbetechniken sehr unterschiedlich sein.
  • Die Entfernungen, über die Zwischen- und Endprodukte transportiert werden, kann sehr unterschiedlich sein, abhängig von den Weltregionen, in denen die Baumwolle angebaut, der Stoff und das Endprodukt hergestellt und wo es verkauft und getragen wird.

Die Informationen über verkörperte Treibhausgase (aber z.B. auch über Wasserverbrauch) sind also immer Näherungswerte. Darum haben wir uns viele Forschungsergebnisse und andere Veröffentlichungen angesehen, und verwenden nur Zahlen, die auf mindestens zwei vergleichbaren Quellen beruhen. Wir werden unsere Zahlen weiterhin validieren.

Unser Berechnungsansatz

Unser Ziel besteht nicht nur darin, Dir beim Kauf die Menge an Treibhausgasen zu zeigen, die in dem Produkt verkörpert sind, für das Du Dich entschieden hast. Wir zeigen Dir auch den Unterschied, den Du mit nachhaltigen gegenüber nicht-nachhaltigen Produkten machst. Als Basis für unsere Berechnung dient der Anteil von Treibhausgasemissionen, die in den verschiedenen Lebenszyklen eines Produktes entstehen.

Zum Beispiel: Ein Viertel bis ein Drittel der Treibhausgasemissionen, die ein Auto während seiner gesamten Lebensdauer produziert, sind schon bei seiner Herstellung und dem Transport bis zu Dir entstanden („Cradle-to-Gate“). Die verbleibenden Emissionen entstehen je nach Kraftstoff und Gesamtfahrleistung des Autos während seiner Nutzung und Verschrottung.

Ein Kleidungsstück hingegen erzeugt etwa 80% aller seiner Emissionen, bevor Du es zum ersten Mal angezogen hast.

Wir haben verschiedene Studien auf durchschnittliche Lebenszyklusanteile, Materialmischungen und Produktgewichte verglichen. Wir haben auch unsere eigenen Messungen durchgeführt.

Aus Gründen der Automatisierung und Benutzerfreundlichkeit mussten wir unsere Daten vereinfachen. Zum Beispiel: In einem Second-Hand-Bekleidungsgeschäft sind häufig Kleidungsstücke ohne Etikett. In diesem Fall haben wir ein Produkt aus dem Durchschnittsgewicht des Produkts und dem durchschnittlichen Anteil der auf dem Weltmarkt verwendeten Materialien zusammen mit ihren jeweiligen durchschnittlichen Emissionen „erstellt“.

Eine weitere Vereinfachung ist unser Fokus auf Treibhausgase. Die ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Kleidungsstücks (wie auch aller anderen Produkte) sind weitaus vielfältiger als nur seine Emissionen. Wir haben uns erst einmal auf das Maß der Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) konzentriert, weil es der am häufigsten verwendete und am besten verstandene Marker für ein sehr komplexes Problem ist.

Und wir haben noch etwas anderes miteinbezogen (und unseren Service danach benannt): Durch nachhaltigen Konsum werden nur Treibhausgasemissionen vermieden, wenn Du mit dem Kauf eines nachhaltigen Produktes den Kauf eines neuen oder nicht-nachhaltigen Produktes ersetzt. Wenn Du zusätzlich zu den 10 neuen T-Shits in Deinem Schrank noch 10 weitere aus Second-Hand Läden kaufst, weil sie so schön billig sind, ist nichts gewonnen. Wenn Du aber jedes mal, wenn Du wieder ein T-Shirt brauchst, eines aus dem Second-Hand-Laden kaufst, anstatt es neu zu kaufen, dann macht das einen Unterschied.

Bei Kleidung gehen wir bei unserer Berechnung von einer „displacement ratio“ von 60% aus (also davon, dass Du 6 der 10 T-Shirts in Deinem Schrank gebraucht kaufen wirst). Bei IT und Smartphones gehen wir dagegen von 100% aus – Du wirst vermutlich immer nur jeweils ein Smartphone besitzen – entweder ein neues oder eines von einem professionellen Refurbisher.


WAS WIR NICHT SIND: EINE ERKLÄRUNG

Wir sind kein weiterer CO2-Rechner
Es gibt gute CO2-Rechner (unsere Favoriten sind die vom UBA und vom WWF), aber unser Ansatz ist ein anderer. Wir möchten Dir detailliertere Informationen über den CO2-Fußabdruck der Produkte geben, wenn Du sie kaufst.
Die Treibhausgasemissionen, die wir verursachen, sollten für uns genauso wichtig sein wie das Geld, das wir ausgeben. Das lernen wir am Besten durch Wiederholung. Darum bringen wir die Information zu Dir, anstatt das Du sie Dir holen musst.

Wir sind kein weiteres Bonusprogramm
Obwohl wir die Emissionen, die Du durch nachhaltiges Einkaufen vermieden hast, in Credits umwandeln, begrenzen wir die Anzahl der Punkte, die Du sammeln kannst. Wir möchten Dir eine kleine Belohnung für Deine guten Entscheidungen geben, aber Dich nicht dazu anregen, noch mehr Dinge zu kaufen, die Du nicht brauchst.

Wir sind keine weitere Peer-to-Peer-Plattform für gebrauchte Dinge
Obwohl Plattformen wie „vinted“ eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Emissionen spielen, liegt unser Fokus derzeit auf dem Einzelhandelsmarkt. Wir sind außerdem besorgt über die Rebound-Effekte, die diese Plattformen verursachen könnten. Es wird argumentiert1, dass sie indirekt „Fast Fashion“ fördern, weil ein Teil der Kund*Innen beim Kauf von neuen Produkten schon einpreisen, dass sie diese nach ein paar mal Tragen auf einer Peer-to-Peer-Plattform leicht wieder verkaufen können.

Wir sind kein CO2-Compagnion
Wir sind der Meinung, dass Apps wie „Earnest“ einen großartigen Gamification-Ansatz haben, aber sie machen Treibhausgasemission zur alleinigen Privatsache der Konsumenten. Wir glauben, dass die meisten von uns diese Apps nicht mehr verwenden werden, sobald die Neuheit der Gamification-Elemente nachgelassen hat. Wir glauben, dass eine Partnerschaft mit den Einzelhandelsgeschäften, in denen Du einkaufst, Dir stabilere und zuverlässigere Informationen liefern wird.

1) z.B. in: Behrend, Henseling, Scholl (Hrsg.): „Digitale Kultur des Teilens“, Springer-Gabler 2019, S. 66